Die verbotene Frucht

Warum wir den Apfel mit dem Weihnachtsfest verbinden. Und warum alte Sorten besonders gut schmecken.

Der Apfel fällt nicht weit vom Weihnachtsbaum. Er gehört einfach dazu, wenn es in der festlichsten Zeit des Jahres nach Nüssen, Mandarinen, Tannen und Rosinen duftet. Und eben nach Äpfeln. Wir braten ihn, verwenden ihn für Kuchen und Mehlspeisen, zur Dekoration oder gar als Baumschmuck. Er passt zu Zimt und Zucker, sein glänzendes Rot verkörpert die fruchtgewordene Christbaumkugel. Dabei sind es gar nicht so sehr seine geschmacklichen Attribute, die dem Apfel seinen Weg in die weihnachtliche Stube ebneten.

Vielmehr stammt er auch hier – einfach vom Baum ab. Denn dieser Weihnachtsbaum, wie wir ihn heute als geschmückte Tanne kennen, verbreitete sich erst im 19. Jahrhundert von Deutschland aus über die ganze christliche Welt. Seine Vorläufer jedoch waren oft Laubbäume, die sich im Mittelalter zu Weihnachten vor allem in Kirchen fanden, in denen sogenannte Paradiesspiele aufgeführt wurden. In dieser Zeit galt der 24. Dezember als liturgischer Gedenktag Adam und Evas: Man stellte einen „Paradiesbaum“ auf, seine Äpfel – ein Symbol der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis – sollten an die Befreiung des Menschen von der Erbsünde durch Jesus Christus erinnern. Ein bedeutsames Erbe, das der Apfel heute mit süß-saurer Leichtigkeit trägt. Jetzt darf er einfach nur noch verführerisch duften, wunderbar schmecken und kraftvoll glänzen. Vergessen ist das sündige Gleichnis der verbotenen Frucht.

Transport-Gut?

Vergessen ist aber auch, dass der Apfel damals am Paradiesbaum noch eine saisonale Kostbarkeit war. Ein über den Sommer gereiftes Stück Natur, das erst im Herbst und nur im Herbst am Baum hing und allein bei sorgfältiger Lagerung die Wochen bis Weihnachten überstehen konnte. Auch das ist heute anders. Seinen vielen guten Eigenschaften als gesunder, vielseitig einsetzbarer Energielieferant verdankt es der Apfel, dass wir ihn haben wollen – und zwar immer, nicht nur im Herbst und auch nicht nur zu Weihnachten. Und so halten die Regale der Supermärkte heute ganzjährig tonnenweise Äpfel bereit – in den fernsten Winkeln der Erde gewachsen, am Schiff gereift und mit nachhaltig ökologischem Fußabdruck ins Land geliefert.

Siebenschläfer und Siebenkant

Von solchen Äpfeln kann Markus Schiller nur wenig berichten. Sein Vater begann bereits in den sechziger Jahren alte Obstsorten zu erhalten, zu pflegen und zu vermehren. „Das war lange vor der grünen Welle“, sagt Markus heute, „anfangs haben sie ihn belächelt, dann kam die grüne Welle und plötzlich waren sie alle da“. Heute bietet der Familienbetrieb in Wolfau, unweit des Sterntalerhofs, ein Sortiment aus über hundert alten, regionalen Apfelsorten an – mit klingenden Namen wie Siebenschläfer, Siebenkant, Lederapfel, Renetten oder den etwas besser bekannten Kronprinz Rudolf. Und die sind nur ein Bruchteil dessen, was einst an Sortenreichtum vorhanden war: Schätzungen gehen davon aus, dass allein in der Region Südburgenland/Oststeiermark bis zu 800 verschiedene Apfelsorten kultiviert wurden.

Aber was können sie heute besser, die Siebenschläfer und Siebenkants der Baumschule Schiller? Markus lächelt: „Sie schmecken anders, spannender, vielleicht sogar besser. Heutige Züchtungen müssen gegen alle möglichen Dinge resistent sein – mit dem Ergebnis, dass sie irgendwann alle sehr ähnlich schmecken, nicht schlecht aber halt ähnlich“. Mit geheimnisvollem Unterton schwärmt er weiter: „Wer alte Sorten pflegt, kultiviert die Vielfalt, die Nuance in Geschmack und Charakter.“ Ein reines Qualitätsmerkmal im Sinne unverfälschter, regionaler Echtheit also – auch für weihnachtliche Bratäpfel, Kuchen und Marmeladen. Oder für das Apfelbrot aus der Sterntalerhof-Küchenwerkstatt, das wir Ihnen im Kasten nebenan zum Nachbacken ans Herz legen. Und das auch nach Weihnachten absolut köstlich schmeckt.

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