Boden-Kultur

Das Geheimnis der Böden am Eisenberg – und ihre Bedeutung für den Winzer Thomas Kopfensteiner.

© Thomas Kopfensteiner

Mineralisch, würzig mit präsenten Tanninen, in perfekter Balance zwischen Kraft und Eleganz. Natürlich, keine Frage, genauso hätten wir ihn auch beschrieben, den „kreidigen“ Blaufränkisch, den wir zur Nase führen und beschnuppern – während wir den Blick über die Weinberge schweifen lassen. Die Sonne taucht das Land in frühabendlich goldenes Licht, ein lauer Abendwind kündigt vom nahenden Sommer. Wir befinden uns auf einem unserer Streifzüge ins wunderbare Umland des Sterntalerhofs, wo der Wein gedeiht und der herrlichen Landschaft ihre fast toskanisch anmutende Sanftheit verleiht. Hier, am Rande des Weingartens stehen wir jetzt und schwingen unsere Gläser. Thomas Kopfensteiner hat sie mitgebracht, ebenso wie den tiefroten Blaufränkisch der sich darin entfaltet. Es ist Thomas, der uns Worte wie Tannine, Balance und kreidige Gewürznoten auf die Zunge legt. Er muss es wissen, es sind seine Weine, seine Weingärten.

Seit Jahrhunderten gehören sie seiner Familie, eine Gravur in der alten Baumpresse zuhause am Hof belegt eindrücklich, dass Familie Kopfensteiner schon im Jahre 1795 dem Winzerhandwerk nachging – wir staunen. Das sei noch gar nichts, lächelt Thomas, das Umland des heutigen Deutsch-Schützen ist seit jeher als Weinbaugebiet bekannt. Schon die Kelten frönten hier dem Rebsaft, und im 15. und 16. Jahrhundert war es die alte ungarische Sorte „Fumint“, die der Region zu genussträchtigem Ruhm verhalf. Woran das wohl liegen mag? An den vielen Sonnenstunden? Am milden Klima? Auch, lächelt Thomas erneut. Aber das wahre Geheimnis seiner Weine liegt in den Böden. Oder präziser gesagt, in den Grün- und Blauschieferböden, die hier am Eisenberg dominieren. Durchmischt mit schwerem, eisenhaltigem Lehm wie etwa in der Lage „Reihburg“ auf 315 Metern Seehöhe lassen sie Weine entstehen, die Menschen wie Thomas als engmaschig, dicht und mineralisch bezeichnen. Worte, die uns fehlen – die tiefe Qualität dieser Tropfen ist aber auch für uns Laien kostbar. Thomas scheint das zu spüren. Zufrieden schenkt er uns nach. Er will keine „Mainstream-Weine“ machen, sondern Weine mit Ecken und Kanten, mit Struktur, mit Finesse und Charakter. Diesem Ziel hat er sich verschrieben, seit er mit seiner Frau Astrid am Weingut der Eltern „gemeinsame Sache“ macht.

Weine auf Reisen

Seit der Betrieb die Mischwirtschaft hinter sich gelassen hat und sich rein auf den Wein konzentriert, wuchs die Fläche auf 15 Hektar Weinland. Acht davon befinden sich am Eisenberg mit seinen eisenhaltigen, kargen Böden. Sieben Hektar gedeihen in Deutsch-Schützen auf schweren, lehmigen Böden. Von würzig bis fruchtig, von Zweigelt über Merlot bis hin zu Welschriesling und Weißburgunder sind sie mehrfach ausgezeichnet und finden längst auch weit über die Grenzen des Südburgenlands hinaus ihre Liebhaber: Gute 10% der eleganten Tropfen finden in den Export, werden in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden an guten Adressen zu delikaten Speisen gereicht. Manche davon werden aber auch traditionell regional verkostet – im heimischen Heurigenstüberl etwa, das Thomas und Astrid im Vorjahr saniert haben. Und manch eine Flasche verreist in gelben Boxen, um sinnvoll Beschenkten in ganz Österreich vom Südburgenland zu erzählen, von seinen sonnenverwöhnten Weinbergen und – seinen geheimnisvollen Böden.

Welcher denn sein Liebster sei, fragen wir Thomas, als die Sonne schon tiefer steht. Ganz klar, der Blaufränkisch. Vielleicht weil er die wichtigste Sorte für die Region ist. Aber vor allem weil er eben mineralisch ist, würzig mit präsenten Tanninen, in perfekter Balance zwischen Kraft und Eleganz. Wir verstehen.

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