Charakterstärke

Warum Pferde Wesen mit Wesens-Zügen sind. Und was das für uns Menschen bedeuten kann.

Pferde begleiten den Menschen seit langer Zeit. Als reines Arbeitstier, als zuverlässiger Reisebegleiter oder heute als Sportkamerad und Freizeitpartner stand und steht das Pferd dem Menschen zur Seite. Ein Herdentier, ein Fluchttier – dessen starker Sozialverband mit festen Strukturen innerhalb der Herde sein Überleben in der Wildnis sicherte.

Wertfreie Therapeuten

Darüber hinaus jedoch besitzen Pferde Charaktereigenschaften, die uns Menschen tief berühren. Pferde richten uns nicht nur äußerlich körperlich, sondern auch seelisch auf, sie bringen uns durch ihre Bewegung ins Gleichgewicht, sie borgen uns ihre Beine, um unterwegs zu sein und sind feinfühlige, nicht wertende soziale Wesen. Kompetent und einfühlsam ausgebildet sind sie wunderbare Co-Therapeuten: Sie lassen sich beobachten, berühren, pflegen, füttern, reiten. Sie haben ein feines Gespür für menschliche Befindlichkeiten und sind absolut authentisch in ihrem Verhalten. Und sie bewerten, bemitleiden und bestrafen nicht.

Pferde vermitteln uns das Gefühl getragen zu werden, was uns hilft, verletztes Vertrauen zu heilen und unser Bedürfnis nach positiver Zuwendung zu befriedigen. Das Erleben eigener Leistungen oder das Bewältigen von Aufgaben rund um das Pferd führt zu Erfolgserlebnissen, die das Vertrauen in sich selbst und in die eigenen Fähigkeiten bestärkt.

Das therapeutische Können der Pferde kommt am Sterntalerhof in drei Sparten zum Einsatz: dem Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren, der Hippotherapie und der Reitpädagogik. Doch bevor ein Pferd als Co-Therapeut eingesetzt werden kann, will es sorgsam und fachkundig ausgesucht und ausgebildet werden, seine individuellen Wesenszüge müssen ergründet, erkannt und weiter geformt werden . Diese spezifischen Wesenszüge sind es, die ein Therapiepferd ausmachen. Denn wie auch der Mensch, mit dem es arbeiten soll, ist jedes Pferd einzigartig.

Gioiella oder Estrella?

Wir machen uns auf zu einem Streifzug über die Koppeln am Sterntalerhof. Insgesamt acht Therapiepferde leben hier. Gleich zu Beginn treffen wir Maxi, den Shetlandpony-Wallach, einen frechen Lausbub. Durch seine bunte Fellzeichnung ist er ein richtiger „Hingucker“ – Rebellion, Freiheit und Lebensfreude stehen ihm auf die Stirn geschrieben. Er spricht Kinder an, die selbst sehr aufgeweckt und munter sind. Oder Kinder, die gerne aufgeweckt und munter wären. Ein paar Meter weiter grast der Tinker-Wallach Benji, ein harmonisches Pferd. Seine Sicherheit, sein innerer Frieden berührt ängstliche, kranke wie sehr sensible Menschen. Nur wenige Schritte entfernt finden wir Hubert, einen polnischen Warmblut-Wallach, der durch seine Geradlinigkeit und Erfahrung Menschen anspricht, die selbstbewusst durchs Leben gehen oder sich danach sehnen, selbstbewusst durchs Leben zu gehen.

Nicht nur, aber auch wirkt sich das Geschlecht eines Pferds auf sein Naturell aus. Wir begegnen der verspielten Quarter-Stute Gioiella, die in einem hohen Maß Weiblichkeit ausstrahlt. Besonders Mädchen und Frauen finden sich in ihr wieder. Estrella, die feinfühlige und zierliche Quarter-Stute, verzaubert besonders zarte Seelen, unsichere und zerbrechliche Menschen, während Karli, der reserviert abwartende Shetlandpony-Wallach mit seinen süßen Punkten, besonders scheuen Kindern ins Auge sticht.

Sprichwörtliches Getragensein

Ein Streifzug wie dieser gehört zu den ersten Begegnungsmomenten mit Neuankömmlingen am Sterntalerhof. Der Mensch wählt sein Pferd. Oder wählt das Pferd seinen Menschen? Was folgt, ist eine Beziehung, die über Stunden, Tage und Wochen intensiver wird. Zeit, die wir als Prozess wahrnehmen, als eine Reihe dichter und wunderbarer Momente. Wir spüren und empfinden das Pferd und sein Wesen, wir werden von ihm getragen. Wir tanken Mut oder verlieren die Kontrolle, stehen Gefühlen wie Angst oder Wut plötzlich neu gegenüber und erobern die Freude in uns selbst zurück.

In diesen Momenten begleitet uns das Pferd – als vierbeiniger Spiegel unserer menschlichen Seele. Dass es uns dabei hilft, in unser Unterbewusstsein vorzudringen und auf unbekannte Verhaltensmuster zu reagieren, ist ein unverzichtbarer Bestandteil der interdisziplinären Arbeit am Sterntalerhof – und wohl eines der größten Geschenke, die das Pferd dem Menschen je gemacht hat.

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